Die Schwierigkeiten einer ADHS / ADS Therapie bei Kindern in der homöopathischen Praxis

ADHS Homöopathie
© H.Dahl Homöopathie Berlin

 

Die Behandlung von ADHS oder ADS kann sich in der homöopathischen Praxis als schwierig erweisen. Oft ist der Leidensdruck der Eltern und Lehrer sehr groß. Manchmal sind auch die Kinder selbst ungeduldig. Viele betroffenen Familien verlangen nach einer schnellen Lösung. Oft funktioniert diese jedoch nicht dauerhaft.

In der Homöopathie wird ADHS / ADS als eine chronische Erkrankung angesehen, die sich, in den meisten Fällen, ohne geeignete Therapie immer weiter verschlechtert. Auch bei anderen chronischen Erkrankungen ist eine Heilung langwierig und bedarf einer stetigen Weiterbehandlung. Diese Veranlagungen begleiten uns oft ein Leben lang.

 

Chronische Krankheiten können durch eine geeignete Therapie in der Häufigkeit ihres Auftretens und / oder der Intensität des Leidens beeinflusst werden und somit die Lebensqualität entscheidend beeinflussen.

 

Im Unterschied zu akuten Erkrankungen muss diese tief sitzende Störung nach der Gesamtheit der Symptome mit einem konstitutionellen Arzneimittel und zusätzlichen Begleittherapien behandelt werden. Dies kann von Monaten bis zu einigen Jahren dauern.

 

Zusätzlich sollten die Eltern immer mit in die Behandlung einbezogen, eine weit umfassendes Therapiekonzept erstellt sowie andere Begleittherapien hinzugezogen werden. Dazu zählen vor allem:

 

- Psychotherapie (z.B.Verhaltenstherapie)

- Selbsthilfegruppen,

- Familientherapie,

- Gruppentherapien,

- Ergotherapie,

- Trippel P,

- THOP,

- andere alternative Therapien,

- Yoga, Sport, u.a.

 

Heilung heißt nicht, dass das Kind durch Unterdrückung der Symptome besser funktioniert. Heilung bedeutet vielmehr, dass das Kind seine Fähigkeiten besser nutzen kann, sich (über-) lebensfähig in seine Umwelt integriert und das, ohne sich verbiegen und leiden zu müssen. Heilung heißt auch nicht, dass aus einem unruhigen Kind ein ruhiges Kind wird. Durch keine Therapie lässt sich das Wesen eines Menschen ändern. Doch durch eine gute Behandlung kann aus einem sprunghaften, agitierten, impulsiven, trotzigen und aggressivem Kind, ein gesunder, glücklicher, agiler und wegen seiner Offenheit und immer wieder tollen Ideen, beliebter Erwachsener werden.

 

Es ist nachgewiesen, dass ein unbehandeltes ADHS / ADS Kind als Erwachsener oft zusätzliche psychosomatische Störungen entwickelt. So kommt es zum Beispiel vermehrt zu Unfällen, zu Schlafstörungen, zum chronischen Müdigkeitssyndrom, zu Depressionen, zu Angst-, Panik- und Essstörungen, zu Impulsivität und Aggressionen. Das Risiko für Suchterkrankungen ist erhöht.

 

Schwierigkeiten einer homöopathischen Behandlung:

Die Eltern sagen in der Praxis oft: „Bitte geben Sie etwas, damit es sich ändert!“.

 

Manchmal kommen die Familien mit Erwartungen in die Praxis, die die Therapeuten und die Homöopathie (oder eine andere Therapieform) nicht erfüllen können. (Das trifft übrigens nicht nur auf die ADHS Behandlung, sondern auch auf andere schwere Krankheitsbilder, wie zum Beispiel Neurodermitis zu). Dahinter steckt kein böser Wille, sondern eher Unwissenheit und Ungeduld. Oft besteht schon länger ein immenser Leidensdruck, verständlicher Weise, soll sich das nun schnell ändern. Doch leider wird es nicht funktionieren.

 

Eine tiefe Heilung ist meist vielschichtig und nicht allein mit Tabletten zu erreichen. Medikamente helfen nur oberflächlich, sobald diese abgesetzt werden, kehren die Symptome wieder zurück. In vielen Fällen sind wir auf die schulmedizinischen Medikamente angewiesen. Doch wir alle sollten umsichtiger und eigenverantwortlicher mit unserem Leben umgehen und öfter danach schauen, wo die tieferen Ursachen liegen.

 

Ein einfaches Beispiel: Um einen gesunden Körper zu bekommen und Muskeln aufzubauen, muss man Sport treiben, die Ernährung umstellen und sich gesund ernähren. Dieses Vorhaben wird sich über Jahre erstrecken, ist anfangs besonders beschwerlich und muss dann ein Leben lang stabil gehalten werden.

 

Die eigene Bereitschaft zu Schauen, zu Erkennen und anschließend zu Beheben, macht einen Teil von Eigenverantwortlichkeit und des Erfolges aus. Das heißt: ich muss mich fragen: warum esse ich eigentlich zu viel Ungesundes? Warum schaffe ich es nicht mein Schokoladenverlangen auf ein gesundes Maß zu reduzieren? Warum bewege ich mich nicht ausreichend? Gleichzeitig muss ich die Schokolade reduzieren, mir gesünderes Essen besorgen, Sport machen und das dann auch noch über lange Zeit durchhalten. Ob das gelingt, liegt an mehreren Faktoren. Wie viele Dinge muss ich ändern. Wie stark ist mein Wille zur Änderung? Wie tief sitzen meine Muster, kann ich diese überhaupt ändern? Gibt es jemand, der mich dabei unterstützen kann?

 

In der ADHS Behandlung (und die jeder anderen Erkrankung) sind diese Vorgaben ähnlich. Denn in der Behandlung einer chronischen Erkrankung geht der Besserung oder Heilung eine Krankheitseinsicht voraus.

 

Da sich bei ADHS / ADS eine Heilung oft nur durch Behandlung des ganzen (Familien-) Systems einstellen kann, müssen sich hier also auch die Begleitumstände ändern. Wenn sich diese nicht ändern, wird auch das Hauptproblem bestehen bleiben.

 

In der Homöopathie heißt das: die krankheitserhaltenden Prozesse behindern den Heilungsprozess.

 

Dazu gehört bei der ADHS Problematik zum Beispiel:

 

- Die Eltern erkennen nicht, dass Sie als Teil des Systems ebenfalls Muster und Verhalten anpassen müssen, oder schaffen es aus verschiedenen Gründen nicht diese Muster aufzubrechen. (keine Kraft, keine Zeit, fehlende Unterstützung, Ängste etc.)

 

- Es gibt ungeklärte soziale Konflikte (zB. Streitigkeiten beenden, eine Eheberatung aufzusuchen, weniger zu arbeiten etc.)

 

- Das Kind verbleibt weiterhin in einem schädlichen Umfeld (zB. Mobbing in der Schule wird nicht gecoacht und geklärt etc.)

 

- Die Ansprüche des Patienten und / oder der betroffenen (Eltern, Lehrer etc.) stimmen nicht mit der Realität überein. (zB. werden höhere Leistungen erwartet, als das Kind zu leisten fähig ist)

 

- Das Kind möchte / kann sein Verhalten nicht ändern und die Eltern schaffen es nicht, das Kind zu überzeugen oder sich durchzusetzen. (zB. das Fernseh- und Computermaß zu reduzieren, das Kind eher ins Bett zu schicken, mehr Sport zu treiben, auf bestimmte Nahrungsmittel zu verzichten, etc.)

 

- Es herrscht Uneinigkeit zwischen den Eltern (oder zwischen den Lehrern und den Eltern) wie oder was zu tun ist. Wobei hier die Energie nicht zur Heilung / Änderung beitragen kann.

 

- Die Eltern schaffen es nicht, konsequent für längere Zeit Muster zu ändern, oder Regeln neu zu erstellen, um Änderung herbei zu führen.

 

- Manchmal brechen im Familiensystem durch eine Besserung der Symptome jahrelang gelebte Muster zusammen. Den Eltern ist es vor der Behandlung nicht klar, wie sehr die Krankheit und die Sorge um ihr Kind, ihren Alltag bestimmte und wie sehr diese mit den eigenen Mustern und ihrem Lebensinhalt verknüpft ist. So kann eine tiefe Leere und plötzliche Sinnlosigkeit auftreten, die ganze Familiensysteme ins Wanken bringt. Wenn zum Beispiel auf einmal klar wird, dass in den letzten Jahren nichts anderes mehr gelebt wurde als die Krankheit des Kindes, es zum Beispiel keinen anderen Gesprächsstoff mehr gab. Eltern, die dies nicht reflektieren, negieren unbewusst eine Heilung und brechen trotz offensichtlicher Besserung die Behandlung ab, um das System und die Muster zu erhalten.

 

Aber auch für den homöopathischen Therapeuten (Einfachheit halber benutze ich diese Geschlechtsform auch für Therapeutin) gibt es Umstände, die eine Behandlung misslingen lassen:

 

- Er hat zu wenig Erfahrung auf dem Gebiet der Behandlung.

- Die Symptome sind schwer zu eruieren, oder durch jahrelange schulmedizinische Medikamenteneinnahme „verwischt“.

- Die wichtigen Informationen sind nicht abrufbar.

- Die benutzte Anamnesetechnik bringt die Symptome nicht ausreichend zu Tage.

- Der Therapeut findet kein geeignetes Arzneimittel.

- Nicht jeder Therapeut passt zu jedem Patienten. Es besteht kein gutes Patienten - Therapeutenverhältnis.

- Der Therapeut ist selbst ungeduldig und lässt Arzneien nicht genügend lange auswirken.

- Der Therapeut kann die Eltern nicht ausreichend betreuen, weil er selbst nicht die Möglichkeit hat, oder die Eltern andere Erwartungen haben.

- Es kommt nach monatelanger Behandlung nicht zur gewünschten Besserung.

- Die Eltern erkennen eine Besserung nicht als Besserung an (siehe oben).

- Es kommt nach Mittelgabe zu einer längeren Verschlechterung, die der Therapeut mit seinen, zur Verfügung stehenden Mitteln, nicht schafft zu beeinflussen (Intervention, Gesprächsführung)

 

In diesen Fällen sollte zum Wohle des Kindes die Therapie abgebrochen, oder zeitweilig ausgesetzt werden.

 

Die jahrelange Erfahrung zeigt, dass es auch viele Heilungserfolge zu verzeichnen gibt. Im nächsten Artikel lesen Sie über die Möglichkeiten der homöopathischen Behandlung anhand von Fallbeispielen und weiteren Therapiemöglichkeiten.